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Manuelle Medizin

Geschichte

Die manuelle Medizin (früher Chirotherapie) ist eine moderne Behandlung für Funktionsstörungen großer und kleiner Gelenke und der Wirbelsäule.

 

Gelenk-Funktionsstörungen sind ein Aspekt der vielfältigen Störmöglichkeiten des Stütz- und Bewegungsapparates; wobei die Funktionsstörung der Muskulatur zweifellos verbreiteter und manchmal schwerwiegender erscheint.

 

Daher ist die Gelenksfunktionsstörung (auch die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Gelenken) leichter und schneller zu therapieren als die muskuläre Störung.

 

Voraussetzungen dafür sind

a) eine adäquate Untersuchungstechnik

b) diagnostische Schlussfolgerung

c) Indikationsstellung

d) das Beherrschen therapeutischer Techniken

 

Große Frage - was kann die manuelle Medizin!?

1) pathologische Strukturen und pathologische Funktionen zu untersuchen und zu erkennen

2) Funktionsstörungen der Wirbelsäule zu erkennen und zu behandeln

3) Funktionsbewegungen und das Gelenkspiel wieder herzustellen

4) das funktionsgestörte Bewegungssegment in seiner Ganzheit wieder zu reparieren

5) Funktionsstörungen der Muskulatur in Beziehung zur Wirbelsäule wieder in das Lot zu bringen

 

Noch ein Wort zum Begriff- Blockierung (Funktionsstörung, Dysfunktion):

Ursächlich kommen dafür im Allgemeinen Verletzungen von Gelenken in Frage:

  • Fehlbelastung
  • reflektorische Vorgänge
  • strukturelle Veränderungen der Gelenke

 

Wenn wir von Blockierungen sprechen meinen wir damit, dass die Funktionseinheit

das steuernde Nervensystem mit der Muskultur und den Gelenken gestört ist.

 

Auswirkungen der Blockierungen an der Wirbelsäule

1) mechanische Folgeerscheinungen der eingeschränkten Beweglichkeit

2) klinische Symptomatik und Krankheitszeichen

3) Fernwirkung gestörter Bewegungssegmente auf das Bewegungssystem und auf innere Organe

 

Um Klarheit über das Krankheitsbild zu bekommen muss man bestimmten Untersuchungsprinzipien folgen

  • Beobachtung im Stehen
  • palpierende Untersuchung des Bewegungssystemes
  • orientierende Bewegungsuntersuchung
  • gezielte passive Untersuchung

 

Leitsatz: Schmerz wahrt den Untersucher wie den Behandler. Er ist daher immer zu respektieren!

 

In der manuellen Medizin gibt es grundsätzlich drei Arten von Behandlungen

  • die Mobilisation
  • die Manipulation
  • die Osteopathie

 

Die Mobilisation benutzt Bewegungen und Lagerungen die langsam wieder an die Spannung des Bewegungsendes heranführen. Sie überschreiten diese Spannungsgrenze nicht.

 

Die Manipulation läuft in ihrer Einstellungsphase genau so ab wie die Mobilisation. Allerdings wird die beginnende Entspannung aufgesucht als sogenannte „Vorspannung“ gehalten; die Entspannung des Patienten abgewartet, probeweise mobilisiert und in der geplanten Behandlungsrichtung gedrückt oder gezogen. Es handelt sich um eine Reflexwirkung und beeinflusst muskuläre Spannungen und Schmerzmaximalpunkte.

 

Die Osteopathie ist eine eigene Behandlungstechnik die mobilisierende Techniken mit Behandlung von Weichteilen und inneren Organen kombiniert.

 

Typische Anwendungsgebiete der Mobilisation und Manipulation:

  • akute oder chronische Bewegungssperre in der Halswirbelsäule
  • akute oder chronische Behinderung der Bewegungssegmente in der Brustwirbelsäule (oft ähneln diese dem Symptom eines Herzinfarktes)
  • akute oder chronische Bewegungsabläufe in der Lendenwirbelsäule (Lumboischialgie!)
  • Bewegungsstörung der Kreuzdarmbeingelenke
  • oder sonstige Bewegungsstörungen der großen und kleinen Gelenke nach Krankheiten, Infektionen und Verletzungen

 

Infiltrationen

Infiltrationen in Gelenken, Wirbelsäule, Sehnen, Bänder und Muskeln können mehrheitlich großen Erfolg für Schmerzsymptome am Stütz- und Bewegungsapparat bringen. Es gibt verschiedene Techniken um die Strukturen schmerzfrei zu machen. Wobei die großen und kleinen Gelenke - nach entsprechender hygienischer Desinfektion - unter Verwendung steriler Spritzen und Nadeln - mit der Infiltrationstechnik schmerzfrei gemacht werden können. 

 

Mehrheitlich verwendet man dabei ein Medikament das eine anästhesierende, sprich schmerzvermindernde, Wirkung hat (z.B. Xyloneural). Wobei es darauf ankommt, dass man z.B. nicht nur das Gelenk infiltriert, sondern die Haut, das Gewebe unter der Haut, die Kapsel des Gelenkes und das Gelenk selber mitbehandelt.

 

An der Wirbelsäule gibt es verschiedene oberflächliche Techniken (z.B. Quaddelung, tiefe subcutane Infiltrationen und ähnliches).  

Aber auch tiefe Infiltrationen - die bis an das Wirbelgelenk und an die Nervenaustrittstelle vom Rückenmark herkommend herangeführt werden können.

 

Ziel dieser Behandlung ist wie bei der manuellen Medizin, eine Schmerzverminderung und eine Wiederherstellung gestörter Funktionen.

 

Botox

 

Geschichte

Botox ist nicht nur anzuwenden in der plastischen Chirurgie und in der Kosmetik, sondern nimmt auch immer mehr überhand in der orthopädischen und sportmedizinischen Behandlung.

 

Botulinumtoxin ist ein von einem sporenbildenden anaeroben Bakterium (Clostridium Botulinum) erzeugtes Protein.

Es blockiert Schaltstellen und setzt dabei das sogenannte Azetylcholin an der motorischen Endplatte frei.

Botulinumtoxin kann die Bluthirnschranke nicht durchdringen und hat keinen zytotoxischen Defekt.

 

Weitere therapeutische Folgen

  • Leichte schlaffe vorübergehende Lähmung der quergestreiften Muskulatur.
  • Beeinträchtigung der glatten Muskeln
  • Hemmung der Schweißsekretion
  • Herabgesetzte Funktion von inneren Organen die durch den Parasympathikus gesteuert werden

In der weiteren Folge hat es einen schmerzverringernden und einen entzündungshemmenden Effekt.

 

Wirkverlauf

  • Einsetzende Wirkung nach 3-7 Tagen
  • Maximalwirkung nach 2 Wochen
  • Abklingende Wirkung nach 3 Monaten

 

Nebenwirkungen - Kontraindikationen

Nebenwirkungen können nur durch falsch plazierte Injektionen oder zu hohe Dosierung zustande kommen. Diese Nebenwirkungen sind zeitlich begrenzt und voll rückläufig.

Kontraindikationen sind Erkrankungen des neuromuskulären Systems wie z.B. Myasthenia gravis und alle anderen Arten von Myopathien, desweiteren erhöhte Blutungsneigung.

 

Spezielle Indikationen zur Verwendung von Botox zugelassenen Medikamenten (Botox, Dysport, Xeomin, Neurobloc)

  • Schiefhals
  • Spastische Muskulatur nach Schlaganfällen
  • Spastische Muskulatur bei kindlichem Spasmus: z.B. Kinder mit Spitzfußstellung oder Kinder mit Beugefehlstellung in den Hüften oder in den Kniegelenken
  • Beugefehlstellung bei Erwachsenen in den Händen, in den Ellbogengelenken, in den Schultergelenken aber auch in den unteren Extremitäten nach Schlaganfällen
  • Chronische Migränebehandlung
  • Chronisches Halswirbelsäulensyndrom
  • Chronisches Schmerzsyndrom im Bereiche der Muskulatur der Wirbelsäule (Fibromyalgie)
  • Tennisellbogensymptomatik
  • Golferellbogensymptomatik
  • Verklaffungen der Fußsohlenmuskulatur (vulgo Fersensporn)
  • Verklaffungen der Muskulatur zwischen den Zehen (Neuralgie)
  • Schultersteife vor und nach Operationen
  • und noch ähnliche muskulär bedingte Schmerzsyndrome der oberen und unteren Extremitäten

 

Therapeutische Anwendung

Das Mittel ist in kleinen Fläschchen mit eigens dazu vorbereiteten internationalen Einheiten (50/100/200 Einheiten) vorbereitet und wird in einem bestimmten Dosierungsverhältnis mit Kochsalz aufgelöst.

 

Mit dünnsten Injektionsnadeln wird das flüssige Mittel in entsprechendem Aufteilungsmodus in die betroffenen Muskeln eingespritzt.

 

Merksatz! Je größer und je stärker der Muskel umso mehr Einheiten werden benötigt.